Infrarotheizung oder konventionelle Heizung: Ein sachlicher Vergleich

Wer eine neue Heizung plant oder eine Bestandsanlage ersetzen will, stößt früher oder später auf Infrarotheizungen. Die Versprechen sind groß: günstiger, gesünder, effizienter. Was davon stimmt – und was nicht – zeigt dieser Vergleich.

Wie Infrarotheizungen funktionieren

Infrarotheizungen geben elektromagnetische Strahlung im Infrarotbereich ab. Diese Strahlung erwärmt Oberflächen direkt – Wände, Böden, Möbel und Personen im Raum – ohne die Luft dazwischen zu erwärmen. Das Prinzip ist dasselbe wie bei Sonnenwärme: Sie spüren die Wärme auf der Haut, bevor sich die Luft aufgeheizt hat.

Konventionelle Heizungen – egal ob Heizkörper, Konvektoren oder Gebläseheizungen – erwärmen die Raumluft. Die aufgewärmte Luft steigt auf, kühlt an Decke und Außenwänden ab und zirkuliert zurück. Dieses Prinzip bewegt dauerhaft Staub und Allergene durch den Raum.

Energieverbrauch: Ein differenziertes Bild

Infrarotheizungen werden mit Strom betrieben. Der Vergleich mit Gas oder Öl hängt daher stark vom jeweiligen Strompreis ab. Bei einem Gaspreis von 12 Cent/kWh und einem Strompreis von 30 Cent/kWh ist Gas im direkten Energieträgerkostenvergleich günstiger – trotz des schlechteren Wirkungsgrads von Gasheizungen.

Infrarotheizungen haben dennoch Vorteile: Sie heizen Räume schneller auf wahrgenommene Behaglichkeit, weil sie Oberflächen direkt erwärmen. Das ermöglicht niedrigere Lufttemperaturen bei gleichem Komfortgefühl – eine Lufttemperatur von 18 °C mit warmen Wänden fühlt sich wärmer an als 21 °C mit kalten Wänden und zugiger Konvektionsluft.

In gut gedämmten Gebäuden mit PV-Anlage kann die Infrarotheizung die günstigste Lösung sein: Der selbst produzierte Strom wird direkt für Wärme genutzt, ohne Umwandlungsverluste durch Wärmepumpen oder andere Systeme.

Raumklima und Gesundheit

Konvektionsheizungen bewegen kontinuierlich Luft – und damit Staub, Pollen und Schimmelpilzsporen. Für Allergiker ist das ein dauerhafter Belastungsfaktor. Infrarotheizungen erzeugen keine Luftbewegung; sie heizen Oberflächen auf und halten Wände trocken – was Schimmelbildung strukturell entgegenwirkt.

Die Raumluft bei Infrarotbeheizung ist weniger ausgetrocknet. Trockene Schleimhäute, die viele Menschen im Winter als lästig empfinden, treten seltener auf.

Installation und Flexibilität

Konventionelle Heizsysteme erfordern Rohrleitungen, Heizkessel, Expansionsgefäß und regelmäßige Wartung. Eine Infrarotheizung wird an die Wand oder Decke montiert und an eine Steckdose angeschlossen – oder direkt verdrahtet. Kein Schornstein, kein Gasanschluss, keine Jahresinspektion.

Das macht Infrarotheizungen besonders attraktiv für Räume, die selten genutzt werden (Hobbyraum, Gästeraum), für Mietobjekte, für Ferienwohnungen und für alle, die eine bestehende Heizung ergänzen wollen, ohne das gesamte System zu ersetzen.

Für wen eignet sich eine Infrarotheizung?

Infrarotheizungen sind besonders sinnvoll in gut gedämmten Neubauten, in Räumen mit PV-Anlage, als Ergänzungsheizung für schlecht beheizte Bereiche, in Badezimmern (Spiegelheizung, Handtuchtrockner), in Büros und Gewerberäumen mit unregelmäßiger Nutzung sowie überall dort, wo kein Gasanschluss vorhanden ist oder ein solcher nicht gelegt werden soll.

Weniger geeignet sind Infrarotheizungen als alleinige Heizquelle in schlecht gedämmten Altbauten mit hohem Wärmebedarf – dort sind die Betriebskosten zu hoch, um wirtschaftlich zu sein.

Fazit

Infrarotheizungen sind keine Wunderlösung, aber eine sehr gute Lösung für bestimmte Anwendungsfälle. Wer die Rahmenbedingungen kennt – Dämmstandard, Strompreis, Nutzungsverhalten – kann gezielt entscheiden, ob und wo eine Infrarotheizung die bessere Wahl ist.

Tillbaka till blogg